Bildungspolitik der CSU ohne Geld und Visionen
Bundespolitik
Hans-Ulrich Pfaffmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, ist enttäuscht von den bildungspolitischen Aussagen des neuen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein. „Mir stellte sich
beim Zuhören die Frage, was schlimmer ist: das, was er zu bildungspolitischen Fragen gesagt hat oder das, was er nicht gesagt hat", so der Münchner Abgeordnete.
Insgesamt ergibt sich aus Sicht der SPD ein verheerendes Bild: Die so dringend notwendige Erhöhung der Bildungsinvestitionen für alle Schularten kommt nicht. „Die angekündigten Beträge reichen bei weitem nicht aus, um den Herausforderungen der Zukunft im Bildungswesen gerecht zu werden", so der Bildungsexperte, der Mitglied im Kompetenz-Team von Franz Maget ist.
Nichts Neues gab es auch in Sachen Schulentwicklung. Die derzeitige Situation werde geradezu zementiert: „Der neue Ministerpräsident ignoriert die nationale und internationale Schulentwicklung. Bayern läuft
Gefahr, abgehängt zu werden. Selbst Modelle und Schulversuche, zum Beispiel zu einer längeren gemeinsamen Schulzeit, sind nicht gewollt", bemängelt Pfaffmann.
Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen des Unterrichts zeichne sich unter Beckstein ebenfalls nicht ab: Die Schulen im Bayern der Zukunft hätten weiterhin zu große Klassen und zu wenig Lehrerinnen und Lehrer, so Pfaffmann. Besonders dramatisch: Es sei nicht zu erkennen, dass
Bildung in Bayern gerechter wird. Bildung hänge weiterhin vom Geldbeutel der Eltern ab.
„Der schleppende Ausbau von Ganztagsschulen führt weiterhin dazu, dass Kinder aus ärmeren Elternhäusern weniger Chancen auf einen guten Schulabschluss haben werden."
Bayerns Schüler, Eltern und Lehrer vermissen belastbare Aussagen des neuen Ministerpräsidenten zu folgenden Themen:
Lehrermangel: Nach wie vor gibt es einen dramatischen Mangel an Lehrerinnen und Lehrern. Nach Angaben der Lehrerverbände fehlen über alle Schularten hinweg 2000 Lehrerinnen und Lehrer, um Unterrichtsausfall zu vermeiden, große Klassen abzubauen und Kinder individuell zu fördern.
Große Klassen: Die SPD wertet es als Armutszeugnis, dass sich Beckstein offensichtlich mit Klassen von über 30 Schülerinnen und Schülern und mehr zufrieden gibt. Unter solchen Lernbedingungen rücke individuelle Förderung in kleinen Lerngruppen in weite Ferne und die Arbeitsbedingungen von Lehrerinnen und Lehrern verschlechterten sich.
Unterrichtsausfall: Auch eine Unterrichtsgarantie fehle. Zu beheben sei eben nicht nur der krankheitsbedingte Ausfall des geplanten Unterrichts, sondern der Unterrichtsausfall wegen des strukturellen Lehrermangels.
Schulsterben in den ländlichen Regionen: „Herr Beckstein hat keinen Ton zu der größten Herausforderung der kommenden Jahre, dem Schülerrückgang vor allem in ländlichen Regionen, gesagt", bedauert Pfaffmann und fügt hinzu: „Wie soll ein wohnortnahes Bildungsangebot nachhaltig entwickelt werden? Wie soll dem Schulsterben auf dem Lande begegnet werden?"
Ganztagsschulen: Alleine die Ankündigung, dass man mehr Ganztagsschulen wolle, reiche nicht. Die SPD vermisst konkrete und verbindliche Aussagen zu dieser Frage. Der derzeitige Ausbau von
Ganztagsschulen werde dem Bedarf überhaupt nicht gerecht: An 1000 Hauptschulen genehmigte die Staatsregierung heuer lediglich 100 weitere Klassen, in 1800 Grundschulen gab es 30 Klassen mit Ganztagsbetrieb. „Der angeregte Ausbau der Mittagsbetreuung an den Grundschulen ist nun wirklich mehr als erbärmlich", stellt Pfaffmann fest.
„Die Hoffnung der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und der Schülerinnen und Schüler, dass mit dem Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten eine Verbesserung einhergehen könnte, hat sich nicht erfüllt.“


